Checkliste: Kündigung erhalten – Was tun?

Spricht der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer eine Kündigung aus, verlangt der Gesetzgeber und die Gesellschaft vom Arbeitnehmer viel. Er muss sich nicht nur um einen neuen Arbeitsplatz bemühen und kann dafür sogar vom Arbeitgeber freigestellt werden. Als Arbeitnehmer muss man sich auch schnell entscheiden, ob man gegen die Kündigung vorgehen möchte. Denn für die Anfechtung der Kündigung und/oder Verhandlung einer Abfindung dann bleibt nicht viel Zeit. Hier finden Sie eine Checkliste mit Punkten, an die die bei einer Kündigung durch den Arbeitgeber zu denken ist.

  1. Ruhig bleiben!
  2. Vorsicht bei Aufhebungsverträgen!
  3. Arbeitssuchend melden beim Arbeitsamt
  4. Weiter zur Arbeit gehen?
  5. Anfechtung der Kündigung mit einer Kündigungsschutzklage
  6. Abfindung verhandeln
  7. Arbeitszeugnis verlangen
  8. Vorstellungsgespräche - Freistellung vom Arbeitgeber?
  9. Arbeitlos melden beim Arbeitsamt
  10. Suche eines neuen Arbeitsplatzes

1. Ruhig bleiben!

So ärgerlich und überraschend eine Kündigung durch den Arbeitgeber kommen mag: Bleiben Sie ruhig und atmen Sie tief durch! Beschimpfungen oder unfreundliche Antworten auf E-Mails oder dem Ärger gegenüber den Kollegen können zwar kurzfristig für Erleichteung sorgen, schwächen aber in den meisten Fällen Ihre Verhandlungsposition.

2. Vorsicht bei Aufhebungsverträgen!

Sollte Ihr Arbeitgeber Ihnen einem Aufhebungsvertrag vorlegen, unterschreiben Sie diesen erstmal nicht. Lassen Sie sich in diesem Fall keinen Druck machen! Sie sind nicht verpflichtet, den Aufhebungsvertrag sofort zu unterschreiben. Auch hier gilt: Ruhe bewahren! Nehmen Sie sich die Zeit, den Aufhebungsvertrag und die Kündigung prüfen zu lassen!

3. Beim Arbeitsamt arbeitssuchend melden

Nachdem Sie die Kündigung erhalten haben sollten Sie sich umgehend beim Arbeitsamt arbeitssuchend melden. Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, sich spätestens 3 Monate vor dem Wirksamwerden der Kündigung beim Arbeitsamt zu melden. Ist die Kündigungsfrist kürzer, bleiben Ihnen nur 3 Tage für die Arbeitsuchend-Meldung bei der Agentur für Arbeit.

4. Auch weiter zur Arbeit gehen

So schwer es in einer solchen Situation auch fällt, Sie sollten weiterhin zur Arbeit gehen und nicht unentschuldigt fehlen. Insbesondere, wenn Sie sich für eine Kündigungsschutzklage entscheiden, kann Ihnen später dann kein Fehlverhalten zur Last gelegt werden. Werden Sie vom Arbeitgeber freigestellt, d. h. aufgefordert, nicht mehr zur Arbeit zu kommen, dann lassen Sie sich dies schriftlich geben.

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5. Anfechtung der Kündigung mit einer Kündigungsschutzklage

Der Gesetzgeber sieht vor, dass der Arbeitnehmer gegen eine Kündigung nur binnen 3 Wochen ab Erhalt der Kündigung gerichtlich vorgegangen werden kann. Ist die Zeitspanne verstrichen, ist die Kündigung, obwohl sie unwirksam wäre, nicht mehr gerichtlich angreifbar und damit zu behandeln, als wäre sie vollkommen wirksam. Dieses enge Zeitfenster für die gerichtliche Geltendmachung bedeutet, dass bis zum Ablauf der Frist die Kündigungsschutzklage geschrieben und begründet bei Gericht eingereicht sein muss.

Das bedeutet allerdings auch, dass für außergerichtliches Vorgehen gegen den Arbeitgeber noch weniger als die 3 Wochen Zeit bleiben, denn nur mit dem Druckmittel der Klage zum Arbeitsgericht lässt sich der Arbeitgeber zu Schritten außergerichtlich bewegen.

Wurde ihnen gekündigt und ist die Kündigung unwirksam, so erreicht die Kündigungsschutzklage, dass die Kündigung praktisch verschwindet. Sie als Arbeitnehmer sind in der gleichen Position, als wenn Ihnen nie gekündigt worden wäre. Das kann ein belastendes Arbeitsklima mit sich bringen. Und vielleicht möchten Sie für diesen Arbeitgeber auch nicht mehr arbeiten. In diesem Fall gibt es in dem Zeitraum dieser 3 Wochen die Möglichkeit, eine Abfindung vom Arbeitgeber zu verlangen.

6. Abfindung verhandeln

Gesetzlich gibt es keinen grundsätzlichen Anspruch auf Abfindung, sondern die Abfindung basiert allein auf einer Verhandlung zwischen dem Arbeitgeber und Ihnen bzw. ihrem spezialisierten, juristischen Vertreter. Mit dem Druckmittel der Kündigungsschutzklage, die ein für den Arbeitgeber unliebsames Ergebnis herbeiführen würde, kann eine sogenannte Abfindung verlangt werden. Damit bezahlt der Arbeitgeber einen Betrag dafür, dass Sie auf die Geltendmachung der Kündigungsschutzklage verzichten. Weil diese Abfindung aber nur mit dem Druckmittel der berechtigten Kündigungsschutzklage verlangt werden kann, ist es wichtig, deren Erfolgsaussichten zu kennen und sich innerhalb der ersten 2 Wochen einen professionellen Beistand zu suchen, damit noch genug Zeit für Verhandlung einer Abfindung mit dem Arbeitgeber bleibt.

7. Vorstellungsgespräche - Freistellung vom Arbeitgeber?

Die Kündigungsfrist ist unter anderem dazu gedacht, dass Sie sich als Arbeitnehmer eine neue Stelle suchen. Begleiterscheinungen der Stellensuche sind Vorstellungsgespräche. Haben Sie einen Termin währen der Arbeitszeit, können Sie sich von Ihrem Arbeitgeber freistellen lassen. Auch hier gilt: Reichen Sie den Antrag auf Freistellung schriftlich ein und lassen Sie sich die Freistellung auch schriftlich bestätigen.

8. Arbeitlos melden beim Arbeitsamt

Spätestens am ersten Tag der Arbeitslosigkeit sollten Sie persönlich beim Arbeitsamt vorstellig werden und sich arbeitslos melden. Der Gang zum Arbeitsamt ist notwendig, um Sperrfristen beim Arbeitslosengeld zu vermeiden.

9. Arbeitszeugnis verlangen

Einen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis haben Sie mit Ablauf der Kündigungsfrist. Sollten Sie schon vorher ein Arbeitszeugnis für die Bewerbung benötigen, können Sie sich von Ihrem Arbeitgeber ein vorläufiges Arbeitszeugnis ausstellen lassen. Fordern Sie ein Zeugnis immer schriftlich an! Geben Sie darin an, ob Sie ein einfaches Arbeitszeugnis oder ein sogenanntes qualifiziertes Arbeitszeugnis (Arbeitszeugnis mit Beurteilung) erhalten möchten. Ihr Anspruch auf ein Zeugnis kann durch sogenannte Ausschluss- bzw. Verfallsklauseln im Arbeitsvertrag verfallen. Warten Sie darum nicht zu lange, um zu vermeiden dass Sie am Ende ohne Arbeitszeugnis dastehen. Auch kann es bei personellen Veränderungen vorkommen, dass Ihr Vorgesetzter nicht mehr da ist, sodass eine richtige Einschätzung Ihrer Leistung gefährdet ist.

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